Wir waren die Initiative Kreuzkirche

Unsere Absicht war es, den nötigen Raum für gute Ideen, für offene, soziale, ökologische und spirituelle Projekte, verwurzelt im Quartier zu schaffen, zu pflegen und zu organisieren.

Die Initiative Kreuzkirche war ein gemeinnütziger Verein, der fast vier Jahre lang für die Kircheninsel im Mirker Quartier eine Nutzung organisierte, die der ganzheitlichen Bildung und der Quartiers- und Stadtentwicklung dienen sollte. Angeknüpft haben wir an das, was dort schon seit einigen Jahren passierte.

Wir waren und bleiben Engagierte der Mirke, aus Wuppertal und aus der Umgebung mit dem Wunsch, uns allen einen Ort (zurück) zu geben: zum Begegnen, zum Lernen, zum Experimentieren, zum Wirken, zum Spielen.

Der Verein wurde durch den dreiköpfigen Vorstand vertreten:

  • Dr. Holger Kreft (Vorsitzender)
  • Andreas von Thienen (Schatzmeister, stellvertretender Vorsitzender)
  • Paul Gerhard Sinn (Schriftführer)

Warum wollen wir das Vergangene hier darstellen?

Aufgrund unserer sehr unterschiedlichen Haltungen kamen wir nicht auf einen gemeinsamen Nenner, wie und in welchem Umfang es sinnvoll ist die Kircheninsel für vielfältige spontane Nutzungen grundsätzlich offen zu halten.
Die Weiterarbeit an dem Projekt machte für uns deshalb keinen Sinn mehr. Das finden wir dennoch schade.

Daher möchten wir zum einen auf diese Weise noch einmal auf das große Potenzial der Kircheninsel für die Entfaltung und Selbstermächtigung der Menschen im Quartier und für die ganze Stadtentwicklung aufmerksam machen.

Zum zweiten wollen wir anderen Initiativen die Möglichkeit geben, Anregungen aus unserer Darstellung für ihre Arbeit aufzunehmen. Wir haben mit unserem Projekt einige wertvolle Erfahrungen gesammelt und wollen die gern weitergeben. Andere dürfen daraus lernen.

Wie wir uns sahen

Es fand sich eine Gruppe von Menschen zusammen, die nach einer Phase der Ungewissheit von der Diakonie Wuppertal die vorläufige Möglichkeit bekam, die Kreuzkirche (offiziell Diakoniekirche) mit einem neuen Konzept zu füllen. Die Dakonie stellte uns dazu die gesamte Kircheninsel mit dem Gebäude und der Fläche drumherum zur Verfügung. Sie übernahm weiterhin sämtliche Betriebskosten. Ein Hauptnutzer der Kirche ist seit 2010 – also schon für einige Jahre vor der Gründung der Initiative – die Wuppertaler Stadtmission. Ihre Angebote sind Seelsorge und Nothilfe, Mittagsgebet, Mittagstisch, Lebensmittelverteilung und Inselcafé sowie die festen Programmpunkte im Jahreslauf »Winterglühen« und »Sommerblühen«.

Die Kreuzkirche sollte weiter geöffnet, entwickelt und erhalten werden als ein lebendiger Begegnungs-, Bildungs- und Entwicklungsort. Umweltschützendes, kulturelles und soziales Engagement aller Bürgerinnen und Bürger im Quartier wurde von uns gefördert, ebenso wie eine niederschwellige integrierende Spiritualität. Neue Formen des nachbarschaftlichen Zusammenlebens für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung ließen sich hier erproben. Menschen wurden zur Selbstermächtigung ermutigt – gleich welcher Herkunft und Prägung. Daher wollten wir die BewohnerInnen des Quartiers und engagierte Initiativen zunehmend einbeziehen, wenn es darum geht, die Kirche mit neuem Leben zu füllen und dadurch positiv auf die Quartiersentwicklung einzuwirken. Die Verantwortung dafür wollten wir auf möglichst viele Schultern verteilen.

Offen blieb, wie wir dieses Nutzungsmodell »Ermöglichungsraum« in Zusammenarbeit mit der Eigentümerin Diakonie Wuppertal und der Nutzerin Stadtmission auch materiell absichern und insbesondere die Betriebskosten finanzieren konnten. Dazu sollte der Austausch mit den beiden kirchlichen Einrichtungen dienen, unterstützt durch das vom Land NRW geförderte Projekt »Zukunftskonzept Kirchenräume«.

Leider haben unsere Gespräche nicht zum erhofften Erfolg geführt, so dass wir schließlich in einer Mitgliederversammlung am 13. April 2021 die Auflösung des Vereins beschlossen.

Erreicht haben wir auf jeden Fall, dass die Kircheninsel (die Kirche mit dem umliegenden Gelände) zunächst einmal nicht privatisiert wird und der Raum für soziale Zwecke offen bleibt!

Wie kam es überhaupt zur Gründung?

Die Geschichte unserer Initiative beginnt im April 2017. Da beschließt die Diakonie Wuppertal, die Kreuzkirche – DiakonieKirche genannt – zu verkaufen. Betroffen sind bedürftige Menschen aus dem Quartier, für die die Wuppertaler Stadtmission dort im Gastraum unter der Orgelempore seit sieben Jahren drei Mal die Woche ein Mittagessen sowie sozialen und religiösen Beistand anbietet. Betroffen sind auch die engagierten Nachbar*innen, die den Inselgarten um die Kirche seit drei Jahren ehrenamtlich gestalten und bewirtschaften.

Es regt sich Widerstand im Team der DiakonieKirche, bei den Gärtner*innen des Inselgartens und bei Nachbar*innen im Mirker Quartier, an dessen Ende heute die Initiative Kreuzkirche e.V. mit der Diakonie als engagiertem Partner steht. Sie wehren sich gegen die Privatisierung eines Gebäudes, das mit seiner Lage und Funktion und in seiner langen Geschichte immer den Bewohner*innen des Quartiers gedient hatte – und sie können überzeugen.

Aus der ersten Idee eines »Dorfplatzes Kreuzkirche« wächst Schritt für Schritt das Konzept eines nicht abschließend definierten Möglichkeitsraumes für vielerlei Angebote aus dem Quartier und aus der Stadt – und für das Quartier und für die Stadt. Ein Raum, der offen, sozial, dem Umweltschutz zugewandt, spirituell und in der Nachbarschaft verwurzelt sein (und bleiben) soll. In der Initiative scheint eine Brücke zwischen den Zielen der evangelischen Kirche, dem Auftrag der Diakonie und dem sozial-ökologischen Engagement der Stadtgestalter*innen zu entstehen, wie es im Quartier u. a. von der Alten Feuerwache, vom Forum:Mirke und von Utopiastadt beispielhaft (und beispiellos) gezeigt wird.

Im April 2018 gründet sich die Initiative Kreuzkirche als Verein. Ein Jahr nach der Entscheidung der Diakonie, die Kreuzkirche zu verkaufen, wird dieser Beschluss ausgesetzt. Ein halbes Jahr später ist die Gemeinnützigkeit des Vereins anerkannt, und es erfolgt die Eintragung ins Vereinsregister. Die selbstgewählte Aufgabe in Zusammenarbeit mit Diakonie, Stadtmission und anderen Partner*innen ist die Instandsetzung und Pflege der Kreuzkirche als öffentliches Raumangebot für das Quartier, sowie die Schaffung einer Infrastruktur, die die belebende Nutzung durch viele und verschiedenste Projekte erst möglich macht – und einer inhaltlichen Grundlage, die die Angebote ideell verbinden soll.

Seitdem hatte die Kreuzkirche zahlreichen guten Ideen einen Raum und ein Zuhause gegeben. Es gab Kindertanztheater, Filmvorführungen, Lichtinstallationen, Kunstausstellungen, Malkurse, Kochkurse, Schülerkonzerte, Vorträge und Vortragsreihen, Universitätsprojekte und Bürgerbeteiligungsverfahren. Und die Stadtmission setzte ohnehin ihre nun gut zehnjährige Tradition der gemeinsamen Mittagessen, Essensausgaben, Mittagsgebete und Gottesdienste fort.