Was wir erreicht haben

Die 2017 entstandene Initiative konnte den Verkauf der Diakoniekirche verhindern und die Kircheninsel als offenen Ort im Quartier erhalten. Dies war ihr vordringliches Ziel. In der Zeit ihres Bestehens ist es der Initiative gelungen, die Kirche für weitere Nutzergruppen auch jenseits des bisherigen christlich-sozialen Kontextes zu öffnen und als einen Ort der gemeinwohlorientierten Quartiersarbeit zu etablieren.

Beispielhaft dafür stehen Projekte wie das Kindertanztheater in Zusammenarbeit mit der Alten Feuerwache, eine Veranstaltungsreihe zum Thema Wohnen der Initiative für gemeinschaftliches Wohnen in Wuppertal und die künstlerische Lichtinstallation von Gregor Eisenmann am Kirchturm, die auch weiterhin dort zu sehen sein wird.

Nach fast vierjährigem Ringen um die künftige Nutzung der Kirche hat sich die Initiative Kreuzkirche jedoch entschlossen, ihre Aktivitäten zur Entwicklung der Kirche einzustellen und den Verein aufzulösen. 

Denn in dem zentralen Anliegen der Initiative, auf der Kircheninsel auch zukünftig unverplante Zeiten und Räume für vielfältige spontane Nutzungen grundsätzlich vorzuhalten, konnten sich die Kooperationspartner Diakonie Wuppertal, Initiative Kreuzkirche und Wuppertaler Stadtmission nicht auf eine gemeinsame Haltung einigen. Damit war die Grundlage für die weitere Zusammenarbeit nicht mehr gegeben.

Die Diakonie übernimmt nach eigener Aussage wieder vollständig die Verantwortung für ihre Kirche und will diesen Ort in Zukunft für eigene Angebote nutzen. Daneben wird die Stadtmission ihre Aktivitäten aus der Zeit vor Corona wieder aufnehmen, sobald das möglich sein wird. Das Urban Gardening Projekt „Inselgarten“ wird ebenfalls fortgesetzt werden.

Mit einem Kaleidoskop von Äußerungen reflektieren einzelne Mitglieder ihre Erfahrungen aus der Zeit seit der Gründung der Bürgerinitiative bis zur Auflösung des Vereins:

Reflektionen einiger Beteiligter

Diese Kirche mit ihrer Lage birgt ein großes Potenzial für die Menschen im Quartier. Zugleich ist sie aber auch eine „schwierige Immobilie“, die nicht nach den üblichen betriebswirtschaftlichen Maßstäben behandelt werden darf.

Leider gab es unter den Beteiligten zu große Unterschiede bei Motivationen, Interessen und Herangehen an diese Spannung: Was brauchen die Menschen im Quartier zu ihrer Selbstermächtigung? Wie die Vision des Möglichkeitsraums umsetzen? Wie kommunizieren und entscheiden? Auf alles gab es zu verschiedene Antworten.

Die künftigen Herausforderungen werden die Akteure in der Stadt nur gemeinsam lösen können. Sie werden zunehmend lernen müssen, wie sie mit ihren unterschiedlichen Haltungen zusammenarbeiten können. Dazu geeignete Methoden anwenden, ein besseres Sensorium für die eigenen wahren Bedürfnisse und die der anderen entwickeln, öfter mal „sowohl als auch“ denken. Dann ist viel mehr möglich!

Holger Kreft, ehem. Vorsitzender

Die Kreuzkirche ist ein wunderschöner Raum. Die Initiative Kreuzkirche hat viel dazu beigetragen: Neuer Fußboden, weniger Bänke, mehr Platz, Luft, Fläche, Musik, Veranstaltungen, Begegnungen.
Schade, dass es uns nicht gelungen ist, die Anwohner*innen zu mobilisieren. Das lag in meinen Augen auch daran, dass die beteiligten Akteure sehr unterschiedlich waren und entsprechend auch unterschiedliche Vorstellungen von fast allem hatten. So blieb der Raum, um den es ging, in den Verhandlungen leider zu sehr im Verborgenen. Auch durch die an das Kirchenprivileg gebundenen Eigentumsverhältnisse waren viele Förderprogramme nicht zugänglich.
Wir hatten tolle Unterstützung von anderen Menschen und Initiativen – dafür vielen Dank!
Vielleicht kommt der richtige Moment noch, um die Kirche als Raum zu entdecken. Vielleicht ist das auch eine Überforderung. Bis das geklärt ist schlage ich vor: aufbrechen und neue, unnütze und heitere Experimentier-Orte schaffen in den Nischen dieser Welt.

Eva Parusel, ehem. Mitglied

Als ich vor fünf Jahren in die Nachbarschaft der Diakoniekirche gezogen bin, war ich sofort begeistert von der Atmosphäre des offenen Raumes, der sich auftut, wenn man aus der Enge der Neuen Friedrichstraße den Platz mit der Kirche betritt.
Dieser Ort ist wie geschaffen als Treffpunkt für die Menschen im Mirker Quartier.
Als sich die Gelegenheit ergab diesen Begegnungsort mitzuentwickeln, war ich gerne dabei.

Der Entwicklungsprozess war an vielen Stellen anstrengend, herausfordernd und manchmal auch mühsam, gleichzeitig bot er Gelegenheit Menschen kennen- und schätzenzulernen und über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Dass das Projekt trotzdem jetzt beendet wird, begründet sich vor allem in den sehr verschiedenen Kommunikations- und Entscheidungskulturen der Kooperationspartner.
Die Eigentümerin Diakonie Wuppertal hat, auch durch unser Engagement, den Wert des Ortes wieder erkannt und will ihn wieder in ihrem Sinne nutzen.

Andreas von Thienen, ehem. Kassenwart

Aktivitäten des Vereins April 2018 – April 2021

2021

Aufgrund der Covid-19-Pandemie und der damit einhergehenden Auflagen konnten geplante Veranstaltungen nicht stattfinden.

2020

29.09.2020 Dritter Workshop im landesgeförderten Projekt „Zukunft-Kirchen-Räume“
Trotz Covid-19 und zugleich konform mit den zu diesem Zeitpunkt aktuellen Auflagen kamen in der Kirche einige externe Expert*innen zusammen, um die Vorstellungen unserer Initiative einzuschätzen, zu ihren eigenen Themen- und Fachgebieten in Bezug zu setzen und gemeinsam weiterzudenken. Es gab einige neue Impulse für unsere Arbeit. Durch die erzwungenen Abstände zwischen uns bekam die Atmosphäre zusätzlich etwas Skurriles…

08.09.2020 Ansprechende Architekturfotografie im Rahmen des Projektes „Zukunft-Kirchen-Räume“
Im Auftrag von Baukultur NRW hielt der Architekturfotograf Michael Rasche verschiedene Ansichten nicht nur vom Innenraum der Kreuzkirche in einigen bemerkenswert schönen Aufnahmen fest. Hier ist das Kirchenschiff in der Zentralperspektive mit Blick auf den Altar zu sehen.

05.09.2020 Start zum Kirchenleuchten
Auf Anregung der Initiative Kreuzkirche e.V. hin hat sich der bekannte Lichtkünstler Gregor Eisenmann bereit erklärt, für unsere Kirche ein Konzept zu entwickeln, um das Kirchengebäude zunächst allabendlich von außen zu erleuchten. Der Start dieser täglichen Illuminationen wurde begleitet durch meditative Klänge von Maultrommel und Didgeridoo, gespielt vom Musiker, Maler und Friseur Alfonso Gravina, auch aus Wuppertal. Noch im Herbst wollten wir mit den Anwohner*innen des Quartiers rund um die Kirche überlegen, welche Bilder zukünftig auch noch auf dem Baukörper der Kirche sichtbar werden können. Hierzu war ein Workshop mit dem Künstler Gregor Eisenmann nach den Herbstferien geplant, der jedoch wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres ausfallen musste. – Dieses Projekt erhielt Förderung im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt NRW“.
26.2. – 8.3.2020 Ausstellung „Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit 1990“
Die IKK beteiligte sich mit unterschiedlichen unterstützenden Beiträgen an der Ausstellung, die von der Kirchengemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck, der Begegnungsstätte Alte Synagoge sowie der Wuppertaler Stadtmission nach Wuppertal geholt worden war. Diese haben auch das Begleitprogramm geplant. Träger der Ausstellung war der Kirchenkreis Wuppertal. Unser Teil der Ausstellung hatte noch Glück im Gegensatz zu dem sich anschließenden in der Erlöserkirche. Die sich im Februar anbahnende Pandemie hatte noch keinen Einfluss auf das Geschehen in der Kirche. Mehrere hundert Gäste wurden in Einzelführungen, offenen und gebundenen Führungen sowie größeren Vortrags- und Gedenkveranstaltungen in der Kreuzkirche gezählt, und die Ausstellung hat bei vielen Besucher*innen spürbare Betroffenheit erzeugt.

2019

19.12.2019 Jahresausklang
Einige Mitglieder der Initiative lassen das Jahr gemeinsam ausklingen, feiern das Erreichte und blicken nach vorn auf die kommenden Herausforderungen bei leckerem Essen und Trinken im „Pöschkes“ (Neue Friedrichstraße Ecke Wiesenstraße)!
07.12.2019 Step One
Ab 19:00 Uhr war es in der Konzertreihe des Rockprojekts Wuppertal wieder einmal so weit. Mit 10 Acts ein Vorweihnachtskonzert der Extraklasse! Junge Musikerinnen und Musiker gaben sich zum Jahresende ein Stelldichein und füllten die Kirche mit neuen Tönen. Im Winter ist das eines der coolsten Events, zu denen man gehen kann – supercool, denn die Location ist ja im Winter (noch) unbeheizt, und beim Singen steht schon mal der kondensierte Atem vorm Gesicht der Künstler*innen… (Hier eine Momentaufnahme aus dem März-Konzert)
19.11.2019 Verstehen Sie Stadt?
Unser Beitrag zu einem interdisziplinären Seminar der Bergischen Universität Wuppertal („Wie geht’s weiter mit der Kreuzkirche?“) mit Studierenden der Architektur, Politikwissenschaften und Public Interest Design. Hier gibt es ein kurzes Video über das Seminar zu sehen.
10.11.2019 Wie wollen denn Kinder wohnen?
Die dreiteilige Reihe „Wie wir wo wohnen wollen“ (siehe den unten folgenden Eintrag) inspirierte zu einem Malprojekt für Kinder der GS Markomannenstraße. Die Kreuzkirche wurde dadurch bereits zum zweiten Mal auch zu einem Ausstellungsort der WOGA (Wuppertaler offene Galerien und Ateliers). Aller Voraussicht nach wird die Ausstellung im Februar und März 2020 in den Räumen des „Paritätischen“ in Wuppertal Unterbarmen noch einmal neu inszeniert.
02.07.2019 – 25.09.2019 – 30.10.2019 Wie wir wo wohnen wollen
Dreiteilige Reihe mit den Einzelveranstaltungen:
„Wo wir wohnen“
„Wie wir wohnen wollen“
„Wie wir hier wohnen wollen“
Wie und mit welchen Ergebnissen die Treffen im Mitmachprojekt der Interessengemeinschaft Gemeinschaftliches Wohnen Wuppertal (IGGW) abgelaufen sind, lässt sich auf den Seiten des Mirker Quartiers und der IGGW nachlesen.
18.09.2019 Unterstützung durch das Land NRW
Unser Projekt wird in das durch Baukultur NRW geförderte Projekt Zukunftskonzept Kirchenräume aufgenommen (Teil I / Vorstudie). Ab jetzt bekommen wir wie sieben weitere Kirchenprojekte bis September 2020 Unterstützung von außen bei unserer weiteren Entwicklung des Nutzungskonzeptes für die Kreuzkirche. (Foto: Sebastian Becker)
10.08.2019 Raum der Stille
Workshop mit Prototyping im Rahmen der Machbarkeitsstudie von Maria Musiol, M.A. Studentin des Public Interest Design und Mitgründerin von We are Kiosk, unterstützt durch Architekturstudierende von hinterhofaue e.V. – Links ein Prototyp, der verschiedene stille Nutzungen der Empore im ungefähren Maßstab 1:50 darstellt.
Juli 2019 Reparatur der rechten Kirchenseite
Als Feuchtesperre haben wir zunächst eine Folie auf dem Betonboden verlegt, darüber eine Ausgleichsschicht aus Mehabit, und zum Abschluss kamen die Pressspanplatten.
23.06.2019 Kindertanztheater
Zwei Abschlussaufführungen mit der Alten Feuerwache und Projektfabrik Witten (Schule der Sozialen Kunst) mit kleinem Sommerfest mit Fingerfood der Weißen Herzen (Foto: Anette Jonak)

2018

27.10.2018 Konzert mit Golow
(Simon N’golo Zerbo) in Verbindung mit Lichtskulpturen von Fabian Nette und einer Videoinstallation von Gregor Eisenmann. Ein kurzes Video vermittelt einen Eindruck dieser ungewöhnlichen Aufführung.
September 2018 Reparatur
der linken Kirchenseite
12.07.2018 Veranstaltung der Stadt Wuppertal
zur Bürgerbeteiligung für die Neue Friedrichstraße.

Die Bezirksvertretung entscheidet später ähnlich wie sich das Meinungsbild in der Veranstaltung zeigt:
Die Neue Friedrichstraße soll als
Fußgänger- und Fahrradverbindung ausgebaut werden. (Foto: W. Sondermann)
18.04.2018 Wir gründen den Verein „Initiative Kreuzkirche“.